Ein Jahr Freiheit – ein Jahr Kampf und Solidarität
„Freiheit braucht Solidarität. Und Solidarität braucht Menschen, die sie leben und bereit sind, ihre Stimme zu erheben.“ Mit diesen Worten eröffnete Birgit Biermann, stellvertretende Vorsitzende der IGBCE, am 9. September gemeinsam mit Salidarnast e.V. die Veranstaltung „Ein Jahr Freiheit – ein Jahr Kampf und Solidarität!“ in der IGBCE-Hauptverwaltung in Hannover. Quelle: igbce.de

Im Mittelpunkt stand die Situation der Gewerkschaften in Belarus: die anhaltende Verfolgung unabhängiger Gewerkschafter und das Schicksal der politischen Gefangenen im Land. Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Unterstützende der belarussischen Demokratiebewegung.
Als Ehrengast sprach Aliaksandr Yarashuk, Vorsitzender des Belarusian Congress of Democratic Trade Unions (BKDP), der selbst wegen seines gewerkschaftlichen Engagements in Belarus inhaftiert war. Die Veranstaltung stand bewusst im Zeichen eines Jahrestages: Vor genau einem Jahr war Yarashuk aus der Haft entlassen worden. Seine Freilassung ist ein wichtiges Hoffnungszeichen – zugleich eine Mahnung, dass in Belarus weiterhin zahlreiche Menschen aus politischen Gründen inhaftiert sind.
Seit den Protesten gegen das Regime von Aljaksandr Lukaschenko geraten unabhängige Organisationen in Belarus systematisch unter Druck. Besonders betroffen sind Vertreterinnen und Vertreter der Demokratiebewegung, Menschenrechtsaktivisten und Gewerkschafter: Viele führende Köpfe unabhängiger Gewerkschaften wurden verhaftet, Organisationen verboten, gewerkschaftliche Aktivitäten kriminalisiert. Zahlreiche Betroffene mussten das Land verlassen und setzen ihre Arbeit heute aus dem Exil fort. Organisationen wie Salidarnast e.V. aus Bremen unterstützen ehemalige politische Gefangene, ihre Familien und demokratische Kräfte aus Belarus. Die IGBCE pflegt seit Jahren enge Verbindungen zur belarussischen Diaspora.
Während geopolitische Krisen und bewaffnete Konflikte die internationale Aufmerksamkeit dominieren, gerät die Lage in Belarus häufig aus dem Blick – obwohl dort weiterhin grundlegende Bürger-, Menschen- und Gewerkschaftsrechte eingeschränkt werden. Menschen werden wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt, demokratische Strukturen unterdrückt, unabhängige Gewerkschaften kriminalisiert. Die Veranstaltung lenkte den Blick erneut auf Belarus und machte sichtbar, wie sich Menschen dort trotz Repressionen für Demokratie, Freiheit und Arbeitnehmerrechte engagieren.
Aliaksandr Yarashuk gab den Teilnehmenden einen Einblick in die aktuelle Lage unabhängiger Gewerkschaften in Belarus. Dabei machte er deutlich: „Gewerkschaften sind die einzige Institution, die für das Wichtigste stehen, was es für Menschen gibt: die Arbeit. Nur die Gewerkschaften können Gerechtigkeit erkämpfen.“
In der anschließenden Diskussion mit Yarashuk, Ernesto Harder, Bezirksvorsitzender des DGB Niedersachsen–Bremen–Sachsen-Anhalt, und Hannes Hauke Kühn, Internationaler Sekretär der IGBCE, standen die Bedeutung der Gewerkschaftsfreiheit für demokratische Gesellschaften sowie die internationale Solidarität im Mittelpunkt. „Dass du heute unter uns bist, ist ein großes Glück für alle Gefangenen“, betonte Harder. „Doch Freiheit muss erkämpft werden, und das ist harte Arbeit.“
Die Geschichte von Aliaksandr Yarashuk und vielen anderen zeigt: Der Kampf für Gewerkschaftsfreiheit, Demokratie und Menschenrechte in Belarus ist noch nicht beendet. Die Unterstützung der Demokratiebewegung und unabhängiger Gewerkschaften in Belarus bleibt eine gemeinsame Aufgabe der internationalen Gewerkschaftsbewegung.
Quelle: igbce.de



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