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Wie IG Metall in Bremerhaven Menschen aus Osteuropa für die Gewerkschaft gewinnt

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Am 7. August führten Vertreterinnen und Vertreter der örtlichen IG Metall in Bremerhaven eine Informationsaktion durch. Ziel war es, Einwohnerinnen und Einwohner mit osteuropäischen Wurzeln für die Gewerkschaftsbewegung anzusprechen und sie über Möglichkeiten zu informieren, ihre Interessen und Rechte am Arbeitsplatz gemeinsam zu vertreten. An der Aktion beteiligten sich auch Vertreterinnen und Vertreter der Vereinigung belarusischer unabhängiger Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im Exil.


Teilnehmende des Treffens im Gewerkschaftshaus Bremerhaven.
Teilnehmende des Treffens im Gewerkschaftshaus Bremerhaven.

Rund zehn Gewerkschaftsaktive und -vertreter verteilten Informationsmaterial der IG Metall und kamen mit Passantinnen und Passanten ins Gespräch. Die zentrale Botschaft war einfach: Warum braucht ein Beschäftigter eine Gewerkschaft, und welche Möglichkeiten eröffnet die kollektive Vertretung der eigenen Interessen?


Organisiert wurde die Aktion von Felix Groell, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Weser-Elbe, und dem IG-Metall-Gewerkschaftsaktivisten Ivan Ovsyannikov. Die Veranstaltung war gewissermaßen ein Experiment: Deutsche Gewerkschaften suchen nach Wegen, ukrainische, belarusische und russischsprachige Beschäftigte besser zu erreichen – Menschen, die dem Begriff „Gewerkschaft“ häufig mit Skepsis begegnen.


Eineinhalb Stunden lang sprachen die Aktiven mit Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt, beantworteten Fragen und erklärten, worin sich eine echte, unabhängige Gewerkschaft von den vielen aus dem postsowjetischen Raum bekannten Strukturen unterscheidet.


Im Anschluss an die Informationsaktion fand im Gewerkschaftshaus Bremerhaven ein Treffen statt. Daran nahmen Vertreter lokaler Nichtregierungsorganisationen, Aktive der deutschen Gewerkschaften IG Metall, IG BAU und ver.di sowie Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus osteuropäischen Ländern teil.


Oleg Shein, einer der führenden Vertreter der Konföderation der Arbeit Russlands, und Lizaveta Merliak, Geschäftsführerin von Salidarnast e.V., berichteten über die Lage der Arbeitnehmerrechte in ihren Ländern und über die Perspektiven der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung.


Auch Aliaksandr Yarashuk, Vorsitzender des Belarussischen Kongresses Demokratischer Gewerkschaften, bewertete die Situation. Er wies darauf hin, dass das geringe Interesse vieler Belarusen an einer Gewerkschaftsmitgliedschaft wesentlich mit den Erfahrungen der sowjetischen Gewerkschaftsordnung zusammenhängt. Diese Tradition werde heute, so Yarashuk, von der regierungsnahen Föderation der Gewerkschaften von Belarus fortgeführt, in die bis zu 95 Prozent der Beschäftigten des Landes administrativ gedrängt worden seien.

Gerade deshalb verbinden viele Menschen aus Belarus, der Ukraine und anderen Ländern der Region Gewerkschaften bis heute nicht mit Selbstorganisation der Beschäftigten, Tarifverhandlungen und der Verteidigung eigener Rechte, sondern mit einer bürokratischen Struktur im Umfeld des Arbeitgebers oder des Staates.


Für die deutschen Gewerkschaften ist das eine ernsthafte Herausforderung. In Deutschland leben Millionen Beschäftigte aus osteuropäischen Ländern, von denen ein erheblicher Teil bislang außerhalb gewerkschaftlicher Strukturen bleibt.


Die Aktion in Bremerhaven war daher ein Versuch, besser zu verstehen, wie diese gesellschaftliche Gruppe in einer für sie verständlichen Sprache angesprochen werden kann – und wie dem Begriff „Gewerkschaft“ wieder seine eigentliche Bedeutung gegeben werden kann: der Zusammenschluss von Beschäftigten, um ihre gemeinsamen Interessen kollektiv zu vertreten und zu schützen.


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